WORKING MOMS AUF DIE BÜHNE

WORKING MOMS AUF DIE BÜHNE

 

Im Rahmen des Weltfrauentags am 8.3.2021 haben wir die Chance ergriffen, um arbeitende Mütter ins Scheinwerferlicht zu rücken. Denn was für sie selbstverständlich ist, ist nicht überall weit verbreitet: die Vereinbarkeit von Beruf oder geplanter Karriereentwicklung und Familie.

Nicht umsonst gibt es in Deutschland einen eigenen gemeinnützigen „Working Moms“ Verein, der sich für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Selbstverständnis zu fördern, dass Frauen Karriere und Familie verfolgen können.

Auch in Österreich entstehen immer wieder neue Netzwerke, um Frauen gezielt zu fördern – mit oder ohne Familie. Zum Beispiel die Initiative der „Agenda Bahnindustrie Frauen“, die Expertinnen in der Bahnindustrie näher zusammenbringen möchte.

In Österreich zählen Frauen, die mit Kindern ambitioniert ihren Karriereweg verfolgen, leider noch zur Ausnahme. Die Rahmenbedingungen machen es den ehrgeizigen Jungmamas in Österreich auch nicht leicht. Vor allem außerhalb der Ballungszentren schließen viele Kinderbetreuungsangebote bereits früh und sind nur sehr schwer mit einer Vollzeit-Tätigkeit zu vereinbaren.

Dennoch ist es mit dem richtigen Arbeitgeber machbar – wenn flexible Arbeitszeiten und vor allem ortsunabhängiges Arbeiten möglich sind.

Anbei finden Sie die Erfahrungsberichte von 7 Mamas, die von Ihren Herausforderungen zwischen Familienleben und Job berichten.


Cornelia Schwaminger – Senior Manager bei BDO Consulting GmbH – meine eigenen Erfahrungen als Working Mom

Vorstellung Cornela Schwaminger als Working Mum

„Ich arbeite seit knapp 8 Jahren in der HR-Beratung bei BDO und bin vor viereinhalb Jahren Mama eines wunderbaren Sohnes geworden. Mir war immer schon klar, dass ich neben meiner Mama-Rolle für mein Glück auch ein erfülltes Arbeitsleben und vor allem die daraus resultierende Unabhängigkeit möchte. Mein großes Credo lautet: Nur glückliche Mamas können auch gute Mamas sein! Wobei Glück absolut subjektiv zu definieren ist und jede Frau die Wahl haben sollte, zuhause zu bleiben oder sich wieder der Karriere zu widmen.

Ich habe für mich entschlossen, nach einer wunderbaren einjährigen Pause Vollzeit in den Beruf zurückzukehren. Mit zwei sehr verständnisvollen Chefs, die Leistung und Effizienz vor Anwesenheit werten, und einem flexiblen und familienfreundlichen Arbeitgeber – BDO – kann ich mir die Zeit gut einteilen. In Abstimmung mit meinem Lebensgefährten, meiner Mama und dem Kindergarten haben wir ein ausgeklügeltes Betreuungssystem entwickelt. Fairerweise muss ich an dieser Stelle festhalten, dass es

ohne eine exakte Organisation und viel Konsequenz nicht möglich (gewesen) wäre. Bis heute weiß bei uns jeder, wann unser Sonnenschein wo von wem abgeholt wird.

Natürlich hat das auch seinen Preis: Es ist anstrengend und ich sitze oft abends vor dem Laptop und hole nach, was ich am Nachmittag nicht geschafft habe. Der Aufwand lohnt sich jedoch. Denn im Gegenzug erlebe ich an diesen Nachmittagen einige wunderbare Stunden mit meinem Sohn. Da erscheint es mir fair, am Abend oder sehr früh am Morgen, wenn alle schlafen, 2-3 Stunden zu arbeiten. Am wichtigsten ist für mich, dass ich die Zeit mit meinem Sohn genießen kann – ohne darüber nachzudenken, was ich danach noch alles erledigen muss. So verbringen wir auch unter der Woche viel qualitative Zeit zusammen.

Generell hat meine Effizienz als arbeitende Mama sicherlich noch einmal enorm zugenommen, weil ein Tag gut strukturiert sein will. Das hat den Nebeneffekt, dass für soziale Interaktion am Arbeitsplatz weniger Zeit bleibt. Doppelt so schön ist dafür das Verständnis meiner Kolleginnen und Kollegen, auch wenn ich nicht allen Randterminen zusagen kann.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass neben der ganzen Planung auch Zeit für meinen Partner und mich und auch für mich allein übrigbleibt. Hier helfen mir meine vier bis fünf Sportstunden pro Woche, mit denen ich alle Bedürfnisse gut ausbalancieren kann und das langfristige Karriereziel auch als Mama nicht aus den Augen verliere.

Mein Fazit: Mit dem richtigen Arbeitgeber (den man sich vorher sehr genau auswählen sollte), ist es möglich, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Es braucht allerdings viel Disziplin und gute Organisation.“


Birgit Meyer – Senior Consultant bei BDO Consulting GmbH über ihre Erfahrungen als Working Mom

Birgit Meyer

„Im Anschluss an die persönlichen Einblicke meiner Kollegin, Cornelia Schwaminger, teile ich ebenfalls gerne meine Erfahrungen als engagierte Business Mom.

Seit dem Jahr 2006 bin ich in der HR-Beratung tätig und seit 1,5 Jahren nun bei BDO Consulting. Meine beiden Kinder sind zehn Jahre und sieben Jahre alt. Für mich sind sie Wunschkinder und doch meine größte Herausforderung! Vor allem das Ausbalancieren zwischen Ansprüchen meines Berufs, meiner Kinder und der Zeit für mich selbst.

Ich habe bewusst die Auszeiten von jeweils ca. zwei Jahren für meine beiden Kinder genommen, auch mit dem Risiko, dadurch meine Karriere zu unterbrechen bzw. zumindest zu verlangsamen. Ich kehrte Teilzeit wieder ins Berufsleben zurück. Für mich war allerdings klar, dass ich anschließend in meine ursprüngliche Rolle als Senior Beraterin zurückkehren möchte.

Diese Möglichkeit wurde mir schließlich bei BDO geboten. Aufgrund von flexiblen, ortsunabhängigen Arbeitszeiten, konnte ich diese Tätigkeit auch vor Corona-Zeiten, bereits sehr gut mit meinem Familienleben vereinbaren. Wir konnten uns auch auf Großeltern für die Kinderbetreuung verlassen und hatten ein sehr gut organisiertes System für Kinderabholung, -betreuung und Fahrten zu diversen Freizeitgestaltungen.

Dieses System ist jedoch gerade jetzt in der Corona-Zeit komplett auf den Kopf gestellt worden. Plötzlich hat nichts mehr funktioniert und keiner hatte seinen üblichen Platz im Familienverband – zwei Kinder mit zwei berufstätigen Eltern zu Hause war eine große Herausforderung! Es dauerte eine Weile, bis wir wieder einen funktionierenden Ablauf gefunden hatten. Mittlerweile ist jedoch statt den Großeltern mein Mann stärker in die Kinderbetreuung untertags einbezogen und entlastet mich dadurch, dass ich mich an diesem Tag ausschließlich meinem Beruf widmen kann. An den anderen Nachmittagen bin ich für meine Kinder da und arbeite am Abend die offenen Emails bzw. Agenden ab.

Für mich darf auch der Sport – den ich zur geistigen und körperlichen Regeneration benötige – nicht zu kurz kommen. Ich plane drei Mal die Woche Bewegung für mich ein, sei es Joggen, Yoga oder Fitness. Es kommt auch vor, dass ich mit meinem Sohn Fußballspielen oder mit meiner Tochter eine Runde Laufen gehe! All das bedeutet für mich Quality Time und entschädigt mich für den getakteten, anstrengenden Berufsalltag!

Mein Fazit: Ich stimme mit meiner Kollegin absolut überein – Karriere und Familie sind nur zu vereinbaren mit guter Organisation, Durchhaltevermögen und einem Arbeitgeber, der flexibles Arbeiten ermöglicht!“



Wir haben 5 Mamas aus unterschiedlichen Industrien zu Ihren Erfahrungen bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt:

 

Cindy Müller – Recruiting & Employer Branding Expert, EGGER Gruppe

 

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?
„Ich habe das große Glück, einerseits einen Arbeitgeber zu haben, der verantwortungsvolle und spannende Aufgaben auch in Teilzeit anbietet. Anderseits haben wir einen wunderbaren Kindergarten bei uns im Dorf. Mein 3-jähriger Sohn ist dort am Vormittag zur Betreuung. Zu Mittag holen ihn die Schwiegereltern ab und betreuen ihn im gemeinsamen Haus bis ich nach Hause komme.“

Wo sehen Sie die größte Herausforderung?
„Möglich ist diese flexible und familiäre Betreuung natürlich nur, solange die Schwiegereltern rüstig und gesund sind. Herausfordernd war der Wiedereinstieg nach der Karenz, denn ich bekam erst einen Platz in der Krabbelgruppe nach 2 Jahren und 3 Monaten. Die Kinder werden hier im Kindergarten frühestens mit 1,5 Jahren betreut, dazu kommt ein spezielles Anmeldeprozedere. In Summe führte das dazu, dass ich nach der Karenz unbezahlten Urlaub in Abstimmung mit dem Arbeitgeber nehmen musste. Hier gibt es aus meiner Sicht deutlichen Aufholbedarf, um Frauen nach der Karenz rascher den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Eine weitere Herausforderung sind die langen Ferienzeiten. Unser Kindergarten hat im Sommer 6 Wochen geschlossen. Kleine Kinder sind aber, im Vergleich zu Schulkindern, betreuungsintensiver und können nicht mal eben andersweitig betreut werden.  Auch hier gilt: solange die Großeltern gesund sind, ist das machbar.“

Was benötigen Sie vom Arbeitgeber, um beides gut unter einen Hut zu bringen?
„Ganz wesentlich ist die positive Einstellung des Arbeitgebers zum Thema Leistungsmöglichkeiten in Teilzeit. Wenn das Unternehmen per se und die direkte Führungskraft tatsächlich überzeugt sind, dass MitarbeiterInnen mit Betreuungspflichten (und dadurch oft in Teilzeit) ausgezeichnete Leistungen und einen wichtigen Mehrwert fürs Unternehmen bringen, dann funktionieren Dinge wie flexible Arbeitszeiten, Home Office und Anpassung des Verantwortungsfeldes an ein realistisches Maß entsprechend der Wochenarbeitszeit sehr gut. Wichtig ist aber hier die förderliche Unternehmenskultur sowie eine Führungskraft und ein/e Mitarbeiter/in, die diesen Prozess aktiv gestalten können und wollen.  Meine Erfahrung ist, dass dies in Branchen/Unternehmen mit hohem Arbeitskräftemangel sehr gut funktioniert.“



Maria Haslinger – HR Business Partner bei GG Group, einem internationalen Automobilzulieferer

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

„Damit das gelingt, baue ich auf drei Säulen:

  1. Eine sehr gute Kinderbetreuung: Die kompetente und fürsorgliche Betreuung in unserem Kindergarten ermöglicht volle Konzentration auf den Job. Dennoch wünsche ich mir ein stärkeres Augenmerk der Politik auf die Stärkung der Kindergärten (z.B. Betreuungsschlüssel).
  2. Meinen Mann: Er teilt sich die Betreuung unseres Sohnes genauso ein wie ich. Wir springen gegenseitig ein, wenn etwas dringend dazwischenkommt und kümmern uns gleichermaßen um den Haushalt.
  3. Flexibilität am Arbeitsplatz“

 Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

„Das Abschalten vom Job in der Familienzeit, genauso wie das Jonglieren der Abläufe, bei unerwarteten Ereignissen sind oft eine Herausforderung.“

Was benötigen Sie von Ihrem Arbeitgeber, um beides gut unter einen Hut zu bringen?

„GG Group unterstützt Frauen bzw. Eltern und bietet Rahmenbedingungen, wie Mobile Work und flexible Arbeitszeiten, die dazu beitragen, dass ich meinen Alltag leichter stemmen kann. Genauso meine großartigen Kolleg*innen, die sehr verständnisvoll sind, z.B. wenn mein Sohn an einem dringenden Telefonat teilnehmen möchte.“



Brigitte Pietschmann – HR Business Partner bei DHL Express Austria

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

„Was gibt es Schöneres als beides zu haben: wunderbare Kinder und einen Beruf, den man liebt. Das empfinde ich als großes Glück! Das sind zwei Aspekte in meinem Leben, die mich bereichern, aber auch immer wieder herausfordern. Nach der Geburt meiner Jungs war für mich klar, dass ich meine Arbeitszeit reduzieren wollte. Zum Glück war das bei DHL Express kein Problem.“

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

„Jetzt sind meine Söhne schon 19 Jahre, aber als sie kleiner waren und ich genug Zeit mit ihnen verbringen wollte, mir andererseits die Arbeit bei DHL Express auch immer sehr viel bedeutet hat, ist es schon manchmal passiert, dass alles ein bisschen viel geworden ist und ich vergessen habe, auch mal etwas nur für mich selbst zu tun. Wenn alles Spaß macht, fällt es manchmal schwer, sich abzugrenzen.“

Was benötigen Sie von Ihrem Arbeitgeber, um beides gut unter einen Hut zu bringen?

„Flexibilität und Verständnis für Unvorhergesehenes sind absolut wichtig! Ich bin wirklich froh, dass ich mir meine Arbeitszeit bei DHL Express sehr flexibel einteilen konnte und dass ich mich auch nie benachteiligt gefühlt habe als Teilzeitmitarbeiterin.“



Michaela Wolf – Recruiting und Personalmarketing bei Austrian Power Grid AG

„Beruf und Familie zu vereinbaren, beruht bei mir in erster Linie auf klaren Abläufen und Strukturen. Ich bin Mutter und Vater zugleich als Alleinerziehende. Da gibt es kein spontanes – “Hey Schatz, ich mach heute Überstunden, kannst du bitte das Kind vom Kindergarten holen? oder Hey Schatz, wir haben nichts mehr zu Essen daheim, sei so lieb und geh noch kurz Einkaufen.” Ich funktioniere 24/7 alleine – privat und beruflich.

In meiner Situation sehe ich mich immer wieder vor neuen Herausforderungen. Zum einen, will ich als Mutter das Beste für mein Kind geben und auf der anderen Seite will ich beruflich auch stets top performen.

Oft setze ich mich hier selbst unter Druck und möchte weder in dem einen noch in dem anderen Bereich versagen. Doch seit März 2020 weiß ich, dass Grenzen auch Grenzen haben und meine Kraft nicht immer grenzenlos ist. Es ist ok, ab und zu um Hilfe zu bitten oder manchmal nein zu sagen – beruflich und privat.

Ich habe das Glück bei meinem Arbeitgeber, großartige Kolleginnen und Kollegen in meiner Nähe zu wissen. Sie unterstützen mit Kompetenz, Rat und Tat und manchmal auch nur mit einem offenen Ohr.

Diese Sicherheit ermöglicht es mir, alles unter einen Hut zu bekommen. Situationselastisch2 – sowohl ich, als auch mein Arbeitgeber. Homeoffice von Null auf 100%!

Ich bin dankbar, dass mein Arbeitgeber trotz Krise wächst und ich Tag für Tag meinen Teil dazu beitragen kann.“



Lisa Lichtenegger – Global Human Resources Director bei Julius Meinl Coffee Group

 

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?
„Vereinbarkeit bedeutet für mich die Erfüllung oder Verwirklichung von Zielen, die man sich im Beruf und im privaten Bereich setzt. Das erfordert eine sehr gute Planung und Organisation, eine faire Aufgabenteilung zu Hause aber auch Mut zur Lücke.“

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
„In der Gesetzgebung sowie den gesellschaftlichen Rollenbildern und Strukturen, die Frauen leider kaum ermutigen Familie und Karriere zu verwirklichen.“

Was benötigen Sie von Ihrem Arbeitgeber, um beides gut unter einen Hut zu bringen?
„Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber den Mehrwert von Diversität erkennt und Gleichberechtigung somit gelebt werden kann. Das bedeutet vor allem eine Kultur und ein Umfeld zu schaffen, in denen die Resultate der MitarbeiterInnen zählen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion etc.“



Claudia Schram-Jansen – Executive Succession & Development Partner bei IBM CHQ

„Die Notwendigkeit zur Vereinbarkeit war an sich in der IBM und zu Hause nie ein Thema. Wichtig ist ein funktionstüchtiges Betreuungsnetz, einen Partner, der seinen Teil der Familie annimmt und einen Arbeitgeber, der das Potential der working Moms nicht anders behandelt als bei anderen.
Meine größte Herausforderung ist sicherlich Flexibilität zu leben. Oft zur gleichen Zeit das Kind abholen, sich den Familienthemen widmen und im Job Grenzen setzen und die Arbeit balancieren. Und dann etwas Zeit for sich selbst zu finden. Aber es funktioniert.

Die IBM versteht Potential einzusetzen. Und dazu auch Arbeitsmodelle und rechtliche Rahmenbedingungen zu nutzen, um wertvolle Jobs flexibel zu gestalten. Für mich am wesentlichsten ist jedoch die Unternehmenskultur, die ein Umfeld erlaubt, in dem nicht von Arbeitsstunden gesprochen wird sondern von Diversität, Leistung und Kreativität und wo Positionen nicht an Geschlecht oder Lebensweise festgemacht wird.“